Onsen, Sushi und Grüner Tee: Reisebericht aus Japan
Mt. Aso
21.11.2010: Erleuchtung
Heute hatte ich eine Erleuchtung. Nein, nicht beim unglaublich steilen und schweißtreibenden Abstieg vom Taka-dake. Nein, auch nicht beim Blick in den Schlund des aktiven Vulkans Naka-dake. Sondern beim Verlassen des Supermarktes, als die Kassiererin mich freundlich mit den Worten "Takkuverumaaa" verabschiedete, wie bereits Dutzende vor ihr. Diesmal habe ich aber endlich verstanden, registriert, kapiert, was sie gesagt hat. Das war nicht japanisch, sondern englisch. Oder zumindest etwas Verwandtes!
Doch zurück zum Taka-dake. Um 6:30 Uhr läutet der Wecker , aber früh sind die Temperaturen halt noch angenehmer, deutlich weniger Leute unterwegs und die Sicht besser. Ich fahre wieder zur Talstation der stillgelegten Seilbahn. Ich bin bald dran, nur ein Auto steht vor mir dort. Und dann laufe ich hoch. Das Dumme ist nur, nach 30 Minuten und einem netten Rundweg bin ich wieder am Parkplatz. Den komischen Skizzen zufolge sollte dort ein Weg weitergehen. Nitschewo! Also nehme ich den gesperrten Weg unterhalb der Seilbahntrasse in Richtung Naka-dake. Beim Start steht ein großes Schild. Ob dort steht "Achtung! Durchgang verboten! Lebensgefahr!" oder "Danke dass Sie die zweitschönste Aussicht Japans geniesen wollen!"- ich weiß es nicht. Von der Bergstation laufe ich in Richtung Kraterrand, vorbei an all den den Sicherheitsbunkern mit ihren Lautsprecheranlagen. Alle 15 Minuten kreist ein Hubschrauber über mir vorbei. Schaut er, ob ich noch auf meinen Beinen stehe? Dann kommen Gottlob auch noch ein paar andere Wanderer vorbei, also das Areal ist nicht komplett gesperrt. Nach einem Blick in den qualmenden Krater steige ich auf einem Grat hoch zum Taka-dake (1.592m). Unterwegs gibt es immer wieder Schilder mit den Gehzeiten. Statt der angegebenen insgesamt 160 Minuten habe ich nur 90 benötigt.
Der Abstieg soll laut Karte 80 Minuten dauern. Die Japaner, mit denen ich mich oben unterhalte, weisen mich darauif hin, dass der Weg echt steil ist. Wie schlimm kann ein Weg werden, der lt. Karte bergauf in 120, bergab in 80 Minuten zu bewältigen ist? Verdammt steil. Da gab es drei Teilabschnitte, bei denen ich als Pferd definitiv verweigert hätte. 150 Grad Gefälle im einen Fall, mehrere Felsen hintereinander von über einem Meter Höhe, die man irgendwie runter musste oder eine Steilpassage, die nur mit dem verankerten Seil zu bewältigen war. Die obere Hälfte war durchgängig sehr steil, die untere zwar flacher, aber durch das Lavagestein sehr unangenehm zu gehen. 2 1/2 Stunden später kam ich schließlich wieder beim Auto an.
Mit dem fuhr ich um den halben Berg rum und auf der anderen Seite wieder hoch, um auch auf die andere Seite des Kraters zu kommen. Da diese Seite deutlich niedriger ist, ist man näher dran am Vulkan. Nachdem hier die ganze touristische Infrastruktur rumsteht, ist natürlich die Hölle los. 410Y kostet schon das Parken. Will man die letzten 1,5 km bis zum Rand hochfahren, werden noch mal 970Y (incl. Parken) fällig. Alternativ fährt man die vielleicht 80 bis 100 Höhenmeter mit der Seilbahn hoch (820Y). Oder man geht einfach zu Fuß und schaut zu, wie die Berge in der Abendsonne ihre Farben ändern. Absolut eindrucksvoll dieser Vulkan.
Auf dem Rückweg sehe ich noch, wie der Mond hinter dem Narao-dake aufgeht und kehre in einem Restaurant namens Mullholland Drive ein, wo ich der einzige Gast bin und vom Ober, Koch und Musiker (Country Music auf der Gitarre) in PErsonalunion umsorgt werde.
Ach ja, "Takkuverumaaa" heißt übrigens "Thank you very much"! - Zieh-Kuh! (=See you )
Aufbruch: | 05.11.2010 |
Dauer: | 3 Wochen |
Heimkehr: | 26.11.2010 |