Tour-de-Deutschland Teil 1 - Sachsen, Sommer 2012
17.8.-23.8.2012: Erzgebirge: Von Nussknackern und Räuchermännchen
Unterwegs zu den Wahrzeichen des Erzgebirges
Es ist immer noch gnadenlos heiß - heute soll es fast 40 Grad geben!!!
Also ab ins klimatisierte Auto. Wir wollen heute die Grenzregion Sachsens in Richtung Osten erkunden.
Erste Station ist die Bergstadt Marienberg. Ein nettes Renaissance-Städtchen mit einem Marktplatz ähnlich dem von Freudenstadt im Schwarzwald. In Anlehnung an italienisches Vorbild wurde die Altstadt vollkommen rechtwinklig angelegt. Sogar einige Arkaden-Gänge rund um den Marktplatz gibt es. Die Gründung der Stadt geht auf Herzog Heinrich von Sachsen zurück, der hier mit einem Bronzedenkmal verewigt ist. Sehenswert ist auch das Rathaus mit einem der ältesten Renaissance-Portale Sachsens. Von der historischen Stadtmauer sind ebenfalls noch einige Relikte sowie das Zschopauer Tor zu sehen. Nach einem kleinen Erkundungsspaziergang durch Marienberg geht es weiter in Richtung tschechische Grenze, die wir bei Reitzenhain überqueren.
Im tschechischen Grenzgebiet
Danach folgen wir dem Grenzverlauf auf tschechischer Seite auf einer im Atlas weiß gekennzeichneten Straße. Bald fühlen wir uns "in-the-middle-of-nowhere", doch dafür in einem wunderschönen Hochmoorgebiet. Natur pur, vorbei an einem tiefschwarzen Weiher und zahlreichen markierten Wanderwegen. Im kleinen Weiler Kalek scheint die Zeit vor 50 Jahren stehen geblieben zu sein. Die Häuschen sehen aus, wie ich es noch aus meiner Kindheit kenne. Gepflegt, aber mit morbidem Charme. Und sie scheinen nur am Wochenende oder in den Ferien bewohnt zu sein. Außer einem streunendem Hund begegnen wir keiner Menschenseele.
Die Spielzeug-Städte des Erzgebirges
In Rübenau wechseln wir wieder auf die deutsche Seite und durch das idyllische Natzschungtal, einem Grenzfluss, erreichen wir schließlich die erste Spielzeugstadt der Region Olbernhau.
Hier wimmelt es nur so von Fabrikverkäufen für das typische Spielzeug aus dem Erzgebirge. Schwibbögen, Räuchermännchen, Nussknacker und Co. lassen grüßen und auch wir machen einen Stopp in einem der Handwerksbetriebe. Bei 36 Grad Außentemperatur ist uns zwar alles andere als weihnachtlich zumute, aber im klimatisierten Verkaufsraum schlagen wir dann doch zu: das erste Räuchermännchen kommt ins Gepäck
Im Olbernhauer Ortsteil Grünthal befindet sich eine der besterhaltenen frühindustriellen Produktionsstätten Deutschlands, die Saigerhütte Grünthal. Zur Gewinnung von Kupfer und Silber entstand sie hier bereits im Jahre 1537 und entwickelte sich schnell zum Zentrum der Kupferverarbeitung in Sachsen. Nur mit Wasserkraft wurden einst in vier Hammerwerken 15 Hämmer betrieben. Das Produkt, Dachkupfer, war wegen seiner hohen Qualität sehr begehrt. So verwendete man es zum Beispiel für die Semperoper in Dresden und dem Stephansdom in Wien.
Uns zog es weiter entlang der deutsch-tschechischen Grenze bis nach Deutschneudorf. Hier soll Legenden zufolge das Bernsteinzimmer aus St. Petersburg im Fortuna-Stollen versteckt sein. Gefunden hat es allerdings noch niemand.
Von hier aus erreichten wir schließlich DAS Spielzeugdorf Seiffen - das Touristenmagnet schlechthin, wenngleich bei 35 Grad Außentemperatur die richtige Weihnachtsstimmung etwas zu wünschen übrig ließ. Zur Adventszeit steppt hier wahrscheinlich der Bär, doch an diesem Nachmittag ging es eher verschlafen und ruhig in Seiffen zu. Der Einkauf in den diversen Spielzeugläden kann sich als ganz schön kostspielig erweisen und ich entdeckte meinen zuvor im Olbernhauer Fabrikverkauf erstandenen Räucher-Nikolausi hier zu weitaus höheren Preisen.
Über die alte Salzhandelsstraße und Sayda ging es über Olbernhau, Pokau und Großolbersdorf wieder zurück zum Campingplatz. Unterwegs legten wir noch einen kleinen Einkaufsstopp für den Grillabend ein.
Dieser fand dann unter erschwerten Bedingungen statt, denn über dem Campingplatz braute sich am Abend ein heftiges Sommergewitter zusammen. Sturm, Regen und Hagel fegten über den Platz und setzten ihn kurzzeitig mit großen Pfützen unter Wasser.
Außer dass wir unser Steak in Sicherheit bringen mussten, blieben wir jedoch unbeschadet und auch sonst ging das Unwetter hier glimpflich aus. Nicht so weiter im Osten, wo laut Nachrichten an diesem Abend ganze Landstriche unter Wasser gesetzt wurden.
Aufbruch: | 17.08.2012 |
Dauer: | 14 Tage |
Heimkehr: | 30.08.2012 |