Chile 2007
Valdivia
Habe mir mal in der Schule einen Tag frei gegönnt - hier in Chile gibt es ja keine Osterferien und es ist nur der Karfreitag frei, nicht einmal der Ostermontag - und so bin ich schon am Mittwoch Abend mit dem Nachtbus nach Temuco gefahren. Von dort wollte ich dann weiter Richtung Süden - nach Valdivia oder vielleicht sogar nach Puerto Montt.
Nein, meine Ankunft in Temuco ist ein bisschen bremisch - es ist kühler als in Vina oder Santiago, es nieselte und der Himmel ist grau-schmuddelig. Aber ich finde es irgendwie gut - ich fühle mich wohl. Überhaupt ist Temuco gar micht so schrecklich, wie es in meinem Reiseführer beschrieben wurde.
Vielleicht fühle ich mich aber auch wegen meiner neuen Reisebekanntschaft Patricio recht wohl hier. Patricio ist Bankkaufmann und ist letzte Nacht auch mit dem Bus nach Temuco gefahren, wo er wohnt und arbeitet.
Er hat mir angeboten, mich in seinem Auto mit nach Valdivia zu nehmen, wo er seine Familie besuchen will.
Auch auf der zweistündigen Autofahrt nach Valdivia am Karfreitag haben wir einen fast wolkenlosen Himmel.
Überhaupt hatte ich wohl ziemlich viel Glück mit dem Wetter, denn eigentlich regnet es zu dieser Jahreszeit in dieser Gegend schon ziemlich häufig.
Direkt am Hafen am gleichnamigen Fluss Valdivia beginnt auch das Stadtzentrum. Hier stehen noch zwei ältere Gebäude...
Denn eigentlich ist die Stadt Valdivia an sich ziemlich enttäuschend. Außer einer Hand voll alter, restaurierter Gebäude und einem baumbestandenen Marktplatz bestimmen hässliche Funktionsbauten das Bild der 130.000-Einwohner-Stadt.
Auf der anderen Flussseite befindet sich die Isla Teja, auf der sich eine der größten Universitäten Chiles mit einem Botanischen Garten befindet und ein Historisches Museum, welches in mehreren Gebäuden aus der Kolonialzeit untergebracht ist.
Entlang der Hafenmole befindet sich noch, laut meinem Reiseführer, einer der schönsten und vielfältigsten Märkte Chiles. Ich finde es hier eher stinkend und schmuddelig...
Hier werden nicht nur Obst, Gemüse, Fisch und Blumen angeboten, sondern auch Second-Hand-Bücher - viele auch in deutscher Sprache.
Doch der eigentliche Grund, warum Touristen nach Valdivia reisen, ist eine Fahrt auf dem Fluss Richtung Meer, wo der Río Valdivia gemeinsam mit dem Río Tornagaleones in den Pazifik münden.
Bei der Abfahrt in Valdivia: Rechts ist die Isla Teja zu sehen, wo einige Hausbesitzer es sich gut gehen lassen.
Klein ist die Welt: Nach einer halben Stunde Fahrt steht ein junger Mann neben mir, den ich irgend woher kenne. Ich sage zu Patricio: Yo conozco este hombre! Naja, ich dachte halt, ich hab den schon mal in Vina oder Santiago gesehen, bis er dann auf deutsch zu mir sagt: Du bist ein Freund von Michi!
Ich war ziemlich vor den Kopf gestoßen, hier jemanden aus Bremen zu treffen...
Alejandro, so heißt er, arbeitet hier auf dem Schiff als Kameramann. Er filmt die Touris und die Fahrt und verkauft das Ganze anschließend als DVD. Ich kann´s immer noch nicht ganz glauben...
Auf der fast dreistündigen Fahrt Richtung Pazifik passieren wir fast unberührte Landschaft. Nur hin und wieder steht mal ein Haus am Flussufer und die einzige Industrie wird hier vom starken Baumbestand bestimmt.
Als wir uns dem Meer nähern, wird es immer nebeliger, sodass wir die ehemalige spanische Festung zur Sicherung der Flussmündung vor Piraten (unter denen sicherlich auch mein Vater gewesen ist) ohne Sonnenschein besichtigen müssen.
Um so besser war mein bescheidenes Hostel in Schuss, wo ich recht gut und günstig übernachtet habe. Aber das ist eine lange Geschichte...
Aufbruch: | 24.02.2007 |
Dauer: | circa 12 Wochen |
Heimkehr: | Mai 2007 |