2009 - Zurück nach Australien
Rotes Zentrum & South Australia: Oak Valley & MacDonnell Ranges
Am nächsten Morgen - nun schon der vierte Tag der Tour - schliefen wir, bis wir von der Sonne geweckt wurden. Es war einfach herrlich, noch ein wenig im Swag zu liegen und den Vögeln zuzuhören und ein wenig in die Gegend zu schauen. Nach dem Frühstück holte Craig uns ab, der Aborigine, dem Oak Valley gehörte. Er fuhr uns über sein Land, auf dem seine Vorväter schon seit Tausenden von Jahren lebten - natürlich hatten Europäer seine Familie vertrieben, aber in den Siebziger und Achtziger Jahren hatten sie es nach vielen Gerichtskämpfen zurückerhalten. Craig redete sehr gerne und sehr frei, und er erzählte uns alles mögliche: Über sein Leben, seine Familie und seine Community, australische Ureinwohner im Allgemeinen, seinen Glauben und die Natur, usw. Wir konnten alles fragen was wir wollten, und es war einfach nur wahnsinnig beeindruckend und interessant. Craig vereinte so viel Wissen und Lebensweisheit in sich und war dabei so sympathisch und ehrlich. Ebenso beeindruckend war es, wie er mit dem Leid umging, das seiner Familie angetan worden war - er sprach davon, ohne den Zeigefinger zu erheben, und sah voller Hoffnung in die Zukunft.
Eigentlich sollte die Tour auf Oak Valley drei Stunden dauern, wir waren aber viereinhalb Stunden mit Craig unterwegs, und keine Minute war langweilig. Es war wirklich etwas ganz Besonderes, von dem ich etwas für mein ganzes Leben mitgenommen habe.
Craig erzählte uns die Traumzeitgeschichte seines Landes und malte dazu in den Sand - am Ende entstand so eine Karte von Oak Valley. Hier verstand ich zum ersten Mal, was es wirklich mit der Verbindung von Traumzeit und Land auf sich hat.
Wir aßen noch auf Oak Valley zu Mittag, dann ging es auf einer vierstündigen Fahrt Richtung West MacDonnell Ranges.
Wieder auf der Hugh River Stock Route, kamen wir am Owen Springs Reserve vorbei, der ersten Farm Zentralaustraliens von 1873
Die West MacDonnell Ranges sind eine wunderschöne felsige Landschaft voller Schluchten, kleiner Berge und Wanderwege. Am späten Nachmittag hielten wir an der Glen Helen Gorge, wo wir schwimmen konnten (eine herrliche Abkühlung nach der langen Fahrt!) und dann bei einem kühlen Drink auf der Terrasse des kleinen Resorts saßen und den Ausblick genossen.
Wir schlugen unser Lager nicht weit entfernt im ältesten Fluss der Erde auf! Der Finke River wird als solcher bezeichnet, weil er in Millionen von Jahren nie seinen Verlauf verändert hat. Allerdings ist er meistens bis auf ein paar kleine Wasserlöcher ausgetrocknet, und so kann man im Flussbett wunderbar campen - wieder so ein atemberaubend schöner Platz.
Am nächsten Morgen war es nur eine relativ kurze Fahrt bis zur Ormiston Gorge. An dieser gewaltigen Schlucht machten wir eine einstündige Wanderung und konnten danach noch baden. Die Schlucht war wirklich beeindruckend und es war gut, dass wir wieder am frühen Morgen wanderten - als es dann richtig heiß wurde, konnten wir uns schon ins kühle Nass stürzen und dort einige Zeit relaxen.
Dann ging es weiter zum Ellery Big Creek Hole, einer sehr schönen Wasserstelle, wo wir Lunch hatten und wieder schwimmen konnten. Nach all den Wanderungen, der Hitze und den begrenzten Duschmöglichkeiten war das Baden im Wasser einfach nur herrlich erfrischend und dieser entspannte Tag ein echtes Highlight. Einen letzten Stop legten wir an der Schlucht Simpsons Gap ein, bevor es dann zurück nach Alice Springs ging. Am Abend trafen wir uns noch alle um Abendessen im legendären Bojangles, bis der unvermeidliche Abschied kam. Es war richtig komisch, wieder in einem richtigen Zimmer in einem Hostel zu schlafen - auch wenn ich nur fünf Tage im Outback gewesen war, kam es mir vor, als sei ich ewig weg gewesen, so viel hatten wir erlebt und gesehen.
Ich war wirklich froh, dass ich eine Fünf-Tage-Tour gemacht hatte statt der üblichen drei Tage, denn der zweite Teil hatte mir noch viel besser gefallen. Es war einfach alles perfekt: Die tollen Menschen, die herrliche Natur, und das Campen in der Wildnis, das mir wieder zeigte, wie wenig man eigentlich zum Glücklich sein braucht und wie sehr man das im alltäglichen Leben vergisst.
Ich bin mir sicher, dass diese Zeit für immer zu den besten Zeiten meines Lebens gehören wird!
Auf der Weiterfahrt stoppten wir bei den Ochre Pits. Hier gibt es viele natürliche Ockerfarben, die die Anangu für ihre Malereien benutzen. Früher handelten sie mit diesen Farben und gaben sie an andere Gruppen weiter, weshalb die Anangu immer sehr wohlhabend waren - die anderen Gruppen waren auf die Farben angewiesen und gaben den Anangu quasi was sie haben wollten.
Aufbruch: | 22.07.2009 |
Dauer: | 8 Monate |
Heimkehr: | 24.03.2010 |
Hongkong